1912-1928

Am 29. August 1912 wurde im Saale des »Rebstocks« in Oberachern der Turnverein Oberachern gegründet.

Zitat aus dem Vereinsprotokoll: »Um dem Wunsche der hiesigen Jugend nachzukommen, sowie um deren Erziehung im Turnfache als auch im öffentlichen Leben fördern zu helfen, wurde von Herrn Kreisturnwart J. Krimmel an die wohllöbliche Gemeindebehörde sowie Einwohnerschaft Oberacherns eine Einladung erlassen, betreffs Gründung eines Turnvereins".

Anwesend bei der Gründung waren neben dem damaligen Bürgermeister Wilhelm Müller auch Pfarrer Lorenz Oechsler, Hauptlehrer Fr. Zimmermann, Fabrikant Otto Stemmle sowie Emil Sauter, Heinrich Wehrle und weitere. Zum ersten Vorstand wurde einstimmig Otto Stemmle gewählt. Monatlich wurde eine Versammlung anberaumt, bei welcher die aktiven Mitglieder anwesend zu sein hatten und die passiven Mitglieder im Interesse der Jugend ebenfalls vollständig erscheinen sollten, wenn es irgendwie möglich war.

Um die Ausbildung der Turner zu fördern, wurden in den darauffolgenden Jahren Turngeräte im Wert von 16.400,- Mark (damals Reichsmark) angeschafft. Von Seiten der Gemeinde wurde dabei eine finanzielle Unterstützung zugesagt.

1912 - zwei Jahre vor Beginn des 1. Weltkrieges - wurde für Josef Rösch eine Rekrutenabschiedsfeier veranstaltet. Die Feier sollte dem zum Militär einrückenden aktiven Mitglied »noch einen vergnügten Abend bereiten«.

Bis 1922 haben die Turner des Turnvereins Oberachern an zahlreichen Gauturnfesten in der Region teilgenommen. »Stolz ist man auf die sechs teilnehmenden Turner, die alle preisgekrönt zurückkamen.«

Desweiteren hatten die Gründungsväter eine Satzung ausgearbeitet und es wurde bereits eifrig auf eine Vereinsfahne gespart.

Der Turnverein Oberachern nahm in den Jahren ab 1922 an zahlreichen Schauturnen in der Region teil, auf deren Erfolge man sehr stolz war. Um noch mehr Männern, Schülern und »Zöglingen« das Turnen im Verein zu ermöglichen, wurde ein Teil der Schulwiese gepachtet. Durch die steigende Inflation der 20er Jahre, mussten auch die Mitgliedsbeiträge erhöht werden. Von anfänglichen 12 Mark jährlich für aktive und passive Mitglieder sowie 6 Mark für die Zöglinge, wurden 1923 bereits 60 und 36 Mark verlangt. Kein halbes Jahr später mussten die Beiträge bereits auf 200 Mark angehoben werden.

So hatte man immerhin 882.000 Mark für die neue Vereinsfahne aufzubringen, weswegen man zusätzlich Sammlungen im Dorf vornahm. Feierlich und mit einem großen Programm wurde dann am 24. Juni 1923 die Fahnenweihe vollzogen: Ein Fackelzug marschierte durch Oberachern, anschließend traf man sich beim Festbankett. Besonders erwähnenswert hielt der Schriftführer Wolfram Karl den »Reigen der Festjungfrauen«.

Dass sich der Turnverein Oberachern auch musikalisch betätigte, zeigte die Aufzeichnung von 1925, in der es heißt: »Unter anderem wurden in der Turnratsversammlung auch die Turnstunden der einzelnen Riegen festgelegt, außerdem findet dienstags Singen für alle statt.«

Gut besucht waren die Turnstunden in diesen Jahren und der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Beim Landesturnen 1926 in Offenburg erreichte der Turnverein mit 76 von 80 Punkten ein »gutes Resultat für den noch jungen Landverein.« Turnwart Franz Huber gratulierte und wünschte: »Möge der Turnverein Oberachern auch in den kommenden Jahren wachsen und blühen, und möge es dem tüchtigen Turnwart vergönnt sein, den Verein zu weiteren Erfolgen zu führen...«

Text: Sigrid Lemke