Marokko

Vorabinfos:

Carlo Parisel, Ella Adler, Jani Gabriel; Foto: Schwarzwald Academy

Gemeinsam mit Carlo Parisel von der Schwarzwald Academy reisen Ella und Ich vom Mittwoch, 12. Juni bis Samstag 15. Juni nach Safi in Marokko. Der Flug geht vom Baden Airpark nach Marrakesch. Unabhängig vom Besuch der Pfadfindergruppe aus Safi am 10. August hat uns der örtliche Turnverein eingeladen, Sie zu besuchen und die Trainingsmöglichkeiten vor Ort zu nutzen, aber auch das Land kennen zu lernen.
Dieser Besuch hat den Zweck, die Verantwortlichen des Vereins zu treffen und die Weichen für einen Besuch gemeinsam mit interessierten Gymnastinnen, Turnerinnen, Turnern und Trainern des Vereins zu stellen.

Safi liegt an der Westküste von Marokko, direkt am Atlantik

Auf dieser Seite versuche Ich die Eindrücke aus Morokko mit allen zu teilen, die sich dafür interessieren. Das erste Update gibt es Mittwoch Abend.

Update 1: Endlich im Hotel angekommen!

Ryanair – das „B“ steht für Beinfreiheit

Der Flug verlief soweit gut. Am Flughafen in Marrakesch angekommen, wird man von 10 verschiedenen Frauen von 4 verschiedenen Telefonanbietern belagert und kann SIM-Karten kaufen. Für 5€ gibt’s 5 Gigabyte. @telekom bekommt ihr das auch Mal hin?

Der versprochene Bus des OSC Safi kam leider nicht – vergangene Woche hat der OSC das Team aus Marrakesch im Fußball besiegt und es wäre anscheinend unklug, mit dem Mannschaftsbus des OSC durch die Stadt zu fahren. Der Schmerz sitzt wohl tief…

Stattdessen kamen zwei Privatautos von Mitarbeitern des OSC – super freundliche Menschen. Auf der zweistündigen Autofahrt nach Safi wurde die Landschaft immer grüner, je näher man dem Meer kam:

Landschaft bei Marrakesch…
…und bei Safi

Während der Fahrt gab es einen Stop in einer Art Gaststätte. Highlight des Tages: Pfefferminztee! In eine kleine Teekanne wird solange Pfefferminze und Zucker gestopft, bis der Tee beim Ausschütten in Gläser richtig schäumt. Dementsprechend wartet man auch 10 Minuten, bis der Teebeauftragte am Tisch mit der Schaumbildung zufrieden ist.

Nice, Tee.

Not-so-fun-fact: Jeder spricht Französisch, keiner kann Englisch. Ein altes Trauma aus der Schulzeit kommt wieder hoch…

Im Hotel angekommen stellte sich heraus, dass es neben dem Hotel „Riad Asfi“ (im dem wir standen) noch ein Hotel „Riad Safi“ gibt (in dem unsere Zimmer reserviert sind). Na toll. Zum Glück sind die Menschen hier sehr unkompliziert und der Rezeptionist hat unsere Zimmer beim anderen Hotel für uns storniert.

Das Zimmer ist klein aber … Klein. Neben defekter Klimaanlage überzeugt es durch eine Dusche ohne Vorhang oder Tür, sodass das Bad zum Tretbecken wird. Immerhin zeigt mir ein Aufkleber an der Wand, in welche Richtung Mekka liegt. Praktisch!

Vor dem Abendessen gab es einen kleinen Ausflug zum Basar. Ich fühle mich mit gefühlten 2 Meter und meiner Kleidung wie die Figur im Wimmelbild, die nicht dazu passt. Genauso schauen mich die Leute hier auch an. Trotzdem sind alle sehr freundlich und schließlich kaufen wir Datteln (oder waren es Feigen?) Als Mitbringsel. Der Versuch zu feilschen geht nach hinten los und der Markthändler wirkt etwas gekränkt. Macht man das hier noch so?

Zum Abendessen sind wir bei der Familie des Pfadfinderführers eingeladen. Ich kann nur staunen über so viel Gastfreundschaft. Es gibt Hähnchen mit Pommes und einer selbstgemachten Sauce (lecker!).

Ausblick: Morgen geht es früh los. Wir wollen noch ans Meer, bevor wir um 10 Richtung Feriencamp aufbrechen (ca. 1 Stunde Fahrt, in deutsche Zeit umgerechnet etwa 1,5 Stunden). Anschließend treffen wir den Vorstand es OSC (Turnverein Safi). Die haben anscheinend mit einem älteren Vertreter des Vereins gerechnet. Wo bekomme ich jetzt über Nacht einen Bart und Falten her?

Update 2: Der Tag kann kommen!

Vor dem Frühstück hatten wir die glorreiche Idee, schwimmen zu gehen. Panisch werde ich von Ellas Klopfen an meiner Tür wach, höre mich „mein Wecker hat nicht geklingelt“ murmeln und hetzte die Treppe zum Ausgang hinunter. Es ist erstaunlich dunkel. Wir sind um 7 Uhr mit einem Einheimischen verabredet, um gemeinsam mit dem Taxi zum Strand zu fahren. Ein Blick auf das Handy löst die Situation auf: Es ist 6:03 Uhr. Ella ist wohl mit er Zeitverschiebung durcheinander gekommen. Zurück ins Bett.

Zur richtigen Uhrzeit werden wir am Hotel abgeholt und fahren zum 10 Minuten entfernten Strand.

Abdulatif, Ella und Ich am Strand

Die Sonne ist zu dieser Uhrzeit noch nicht wach und dementsprechend „erfrischend“ war unser Bad im Meer.

Anschließend folgte das Frühstück im Essenssaal im obersten Stock. Der Ausblick über die Stadt ist Klasse!

Alte Burganlage der Portugiesen
Blick über die Altstadt

Allgemein ist das Essen sehr süß. Es gibt maximalgesüßten Tee, Kuchen, Schokocroissant, Marmelade und Pfannkuchen. Da stellt sich mir die Frage: Wieviel kann man in 3 Tagen maximal zunehmen?

Um 10 geht’s weiter Richtung Feriencamp.

Update 3: Kurze Nachmittagspause

Unser Taxi heute Morgen hatte einen Kilometerstand von 960650. Wow.

Mir wird bewusst, was für ein Aufwand es für die marokkanischen Pfadfinder ist, nach Deutschland zu kommen. Die Eltern müssen ihre Kontoauszüge der letzten drei Monate einreichen, die Kinder müssen um ein Visa zu beantragen mehrere Stunden Auto fahren, um dann bei der Botschaft einen Tag lange zu warten und am Abend zu erfahren, dass es heute nichts wird. Sie sollen in ein paar Wochen nochmal kommen… Ich hab mit 10 Klicks ein Ticket bei Ryanair gekauft.

Nach dem Frühstück ging es los in Richtung Feriencamp südlich der Stadt. Entgegen meinen Erwartungen waren wir nach nur 30 Minuten am Ziel.

Eingang zum Camp

Das Camp ist wie eine Art Jugendherberge aufgebaut. Es gibt Hütten mit 8 Betten und gemeinsame Essens- und Waschmöglichkeiten.

Eine der Hütten, im Vordergrund: Carlo

Nachdem uns der Campbetreuer herumgeführt hat, geht es wieder zurück. Der Terminkalender ist voll!

Auf der Strecke zwischen Safi und dem Camp liegt die größte Phosphat-Fabrik der Welt.

Arbeitsplatz von ~50.000 Menschen

Direkt im Anschluss treffen wir die Behördenleitung, die für das Camp zuständig ist. Wie gewohnt werden wir freundlichst empfangen und bekommen natürlich gesüßten Tee serviert. Es ist ein konstruktives Treffen mit vielen gemeinsamen Ideen. Dank meiner umfangreichen Französischkenntnisse verstehe ich das ein oder andere Wort. C’est bien.

Wichtige Menschen in hohen Ämtern und Ich

Direkt im Anschluss haben wir die Möglichkeit, den Porzellan-Markt anzuschauen. Safi ist DIE Stadt für Porzellan! Ella kauft Spontan – einen Bettbezug. Thema verfehlt.

Zum Mittagessen werden wir vom OSC in ein schickes Lokal mit tollem Ausblick eingeladen. Es gibt hervorragenden Fisch! Nach dem Essen gesellt sich ein hochrangiger Mitarbeiter des Innenministeriums zu uns. Er kontrolliert wohl u.a. die Agrarpolitik von Safi und Umgebung und auch den OSC.

Beim Essen
Von links: Ich beim Posen, Julitta, Carlo, der wichtigste Mann der Stadt dessen Name ich leider nicht mehr weiß, die Leiterin der Turnabteilung des OSC und der Leiter der Pfadfinder

Er lädt uns ein, nach dem Essen eine weitere Unterkunft, diesmal in der Stadt, zu besichtigen.

Wow.

Nice, mit Pool.
Center-Park-Feeling

Das wird vielleicht unsere Unterkunft im Oktober.

Jetzt geht’s leider schon wieder weiter. Das nächste Update kommt heute Abend.

Update 4: Wieder im Hotel!

Wir hatten kurz Zeit, um über den alten Markt zu laufen. Auf Nachfrage, ob ein Händler echtes Kaschmir hat, sind wir sofort seine Geiseln. Er schleppt uns quer durch den Basar zum Stand, an dem sein Sohn verkauft (das machen hier nur Männer). Er macht ein gutes Geschäft mit uns. Ella ist zwar keine Muslima, ein Kopftuch (oder 3) kann Sie trotzdem brauchen.

Der Laden riecht wie 20 Duftkerzen.

Anschließend gibt es noch Gewürze. Ich kann zwar nicht mehr aufzählen, was wir alles mitgenommen haben aber es waren 5 oder 6 Tütchen. Endpreis: 2,80€.

Nach einer kurzen Pause fahren wir erneut an den Strand. Wir treffen den Vorstand der Surfschule.

Die Surfschule direkt am Strand
Der Vorstand der Surfschule (rechts, klein)

Uns wird sofort zugesagt, dass Sie einer Gruppe unseres Vereins kostenlos (!) etwas Surfen beibringen. Die Gastfreundschaft nimmt kein Ende.

Auf dem Weg zurück zum Auto treffen wir Mustafa Soufir. Leider bemerke ich viel zu spät, welche Persönlichkeit vor mir steht und habe deshalb kein Bild von ihm. Könnte ich etwas besser Französisch, hätte ich das wohl verstanden. Aber wir durften ihm die Hand geben.

Diese Hände haben Mustafa Soufir berührt!

Achso, ganz vergessen zu erklären, wer er ist. Mustafa war Nationalspieler für Marokko und war Schützenkönig seines Landes bei der WM (1984? War da WM?).

Die nächste Fahrt geht zum Trainingszentrum des OSC. Man fühlt sich wie in einer Hotelanlage in Ägypten.

Weder Hogwarts noch Hotel Bell Rock – die Turnhalle des OSC

Im Eingangsbereich bestaunen wir ein Bild der marokkanischen Meister im Turnen. Es sind Jungs des OSC. Passenderweise laufen gerade Kinder zum Eingang herein. Ella zählt 1 und 1 zusammen (kommt dabei leider auf 3) und will ein Bild mit den Kindern vor dem Bild der Siegermannschaft. Sind nur leider nicht die Kinder auf dem Bild. Egal

Kinder und Ella

Wir treffen den Vorsitzenden des OSC sowie alle Turntrainer. Alle sind so freundlich hier! Für mich als deutscher Miesepeter aus Überzeugung überraschend. Wir werden herumgeführt und unterhalten uns an einem großen Tisch mit dem Herrn aus dem Restaurant von Mittag (der Wichtige) und dem Vorsitzenden über gemeinsame Aktivitäten. Die Mischung aus Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch macht mich fertig.

Anschließend wird uns die große Halle gezeigt. Der OSC hat auch Teams für Volleyball, Handball und Fußball.

Keine Pyramide, immernoch Turnhalle

Die Damen bekommen einen riesigen Strauß Blumen geschenkt. Hab ich schon über die Gastfreundschaft geschrieben?

Ich darf die Blumen auch Mal halten

Zum Essen laufen wir etwa 20 Minuten durch die Innenstadt. Es geht in ein kleines Restaurant, das definitiv nichts für Veganer ist. Zur Auswahl stehen ganz klassisch: Merquez, Hackfleisch, Rind, Lamm, Leber und Gehirn. Wir ordern zu meiner Erleichterung kein Gehirn. Würg.

Tee wird mehrmals eingegossen. Je höher dabei die Kanne, desto mehr Respekt haben die Einheimischen vor dir.

Zum Essen gibt es wie immer – Tee. Tee mit Zucker. Oder eher Zucker mit Tee? Naja, lecker.

Die vegetarische Platte kommt schnell:

Gehirn nur im Kopf

Wir essen Pommes, Salat, etwa 1 Kilo Fleisch, bestellen noch mehr, trinken Tee, Wasser und Cola und bezahlen am Ende 35€. Für 10 Personen. Wow.

Auf dem Heimweg wird mit erklärt, dass wir über’s Ohr gehauen wurden. Das Essen war wohl zu teuer. OK.

Morgen sind wir endlich Mal zum Essen eingeladen, wurde auch Zeit! Es gibt wohl Cous Cous. Meine Vorfreude hält sich in Grenzen aber ich als weltoffener, extrovertierter Mensch werde das schon überstehen. Morgends geht’s wieder an den Strand.

Kurzer Einschub: Der „Blog“ hat laut WordPress-App inzwischen über 30 Leser. Danke euch allen! Ich hab richtig Spaß das hier zu schreiben und bekomme viele nette Nachrichten über WhatsApp. Sogar Ella und Julitta wollen Mal reinlesen, dabei erleben die das doch gerade mit?

Update 5: Der letzte Tag kann kommen!

Nachtrag zu gestern: Ich habe vergessen zu erwähnen, dass wir einen kleinen Unfall hatten. Bei der Ausfahrt aus der Anlage des OSC war der Hubbel der Toranlage zu hoch für unseren Fiat Panda (der Führer der Pfadfinder fährt uns herum). Vollbeladen bleibt das Auto stecken, zum Glück schnallt man sich hier nicht an sonst hätte mich der Gurt gefangen. Diagnose: Auspuffleitung abgerissen, es geht weder vorwärts noch rückwärts, weil sich das Rohr verkeilt hat. Wir werden vom Aufmerksamen Präsidenten des OSC zu unserem nächsten Termin gefahren.

Beim Essen treffen wir den Führer der Pfadfinder wieder. Zum Glück kennt hier jeder jemanden, der jemanden kennt, dessen Schwippschwager eine Werkstatt hat. Der Schaden ist wohl schnell repariert.

Heute morgen ging es wieder an den Strand. Julitta hat sich entschlossen, uns zu begleiten. Zu Viert brauchen wir zwei Taxis, die uns zum Strand fahren. Beide Fahren sind nicht gewillt, uns später wieder zurückzufahren. An den Strand verirren sich um diese Uhrzeit auch keine Taxis. Rückfahrt ungewiss.

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Das Wasser ist gefühlt deutlich kälter als gestern. Nachdem uns Ella in Qi Gong-Übungen instruiert hat (wir sind die Stars am Strand!) ,geht es kurz ins Wasser.

Eine Einheimische spricht Ella freundlich an. Sie spricht kein Französisch, Ella kein Arabisch. Ergebnis: Sie ist der Überzeugung, Ella habe Sie nach Deutschland eingeladen. Abdulatif kann helfen und die Frau verabschiedet sich freundlich.

Der Hafen ist neben dem Strand, man hört aber nichts davon. Ab und zu fährt ein Schiff durchs Bild.

Die Rückfahrt ist ein echter Glücksfall. Statt eine Stunde zu laufen, treffen wir einen alten Schulfreund unseres marokkanischen Begleiters. Er fährt uns sehr gerne zurück zum Hotel. Klasse Typ!

Die Rettung in der Not (und Julitta)

Unser voller Terminkalender ist heute erstaunlich leer. Um 11 besuchen wir eine Art Bibliothek, zum Mittagessen sind wir eingeladen. Heute Nacht fahren wir voraussichtlich gegen 1 Uhr mit dem Taxi zurück nach Marrakesch, um um 6 Uhr abzufliegen. Herrje.

Update 6: Mein Zimmer!

Mein Zimmer zeichnet sich vor allem durch eine ruhige Lage aus. Spaß beiseite, heute Nacht haben von 1 bis 5 Uhr Hunde auf der Straße gebellt. Das Konzert wurde nur von einem vorbeifahrenden Zug und dem Nachtgebet des Muezzin um 3 und 5 Uhr unterbrochen, der anscheinend durch Lautsprecher verstärkt wird.

Ich habe inzwischen 3 Mal geduscht und mein Bad steht eigentlich immer unter Wasser. Vor Benutzung der Toilette muss diese erst einmal abgetrocknet werden.

Einrichtungsmäßige Meisterleistung

Alles ist sauber, keine Frage, auch weil ich bei jeder Dusche alles nass mache: Klo, Boden, Toilettenpapier, … Aber so ganz leuchtet mir das Konzept nicht ein.

Tür zum Balkon stets geschlossen halten

Die Tür zu öffnen ist eigentlich immer eine schlechte Idee. Tagsüber kommt die Hitze ins Zimmer, nachts der Lärm.

Peinliche Touristen

Hier noch ein Bild vom Hotel. Mein Zimmer ist im ersten Stock, der wunderschöne Frühstücksraum ganz oben. Für 35€ die Nacht völlig ausreichend.

Update 7: Während der Mittagshitze.

Heute Vormittag durften wir den Kultusminister von Safi treffen. Carlo hatte etwas mit ihm zu besprechen und wir durften mit. Das Treffen fand im „Schloss des Sultans“ statt. Wir bekamen prompt Karten für ein Konzert geschenkt, das leider erst morgen stattfinden.

Im Hintergrund, wie in jedem Haus: Ein Bild des Königs
In der langen Liste der auftretenden Künstler ist mir „Fabius Constable“ sofort ins Auge gesprungen.

Vom Dach des Schlosses bietet sich der beste Blick über die Stadt. Eigentlich für die Öffentlichkeit gesperrt. Dank Carlo und seinen Connections dürfen wir hoch.

Nicht die chinesische Mauer
Ein sehr alter Baum, findet bestimmt jemand interessant.

Anschließend ging es zum „Musée National der la Ceramique“. Es ist der letzte Schultag in Safi und im Museum fand eine Vorführung von Kindern statt. Uns kommen unzählige Menschen entgegen.

Wie heißt dieser Bogen in Frankreich?

Vor dem Eingang beginnt eine Trommler-Gruppe zu spielen. Ich fühle mich wie an Fasnacht (Guggemusik), nur ohne Häs und Alkohol.

Hinter dem Kopf: Trommler

Es ist ein beeindruckendes Bauwerk. Holz ist hier Mangelware und deswegen wird hier einfach alles massiv aus Stein gebaut.

Auf dem Weg zum Mittagessen gibt es das zu sehen:

In der Mitte: Ein traditioneller Kochtopf in Übergröße

Wir sind bei der Schwiegermutter von Hicham, dem Pfadfinderführer, eingeladen. Unterwegs werden Blumen als Gastgeschenk gekauft. Für umgerechnet 4€. Ob die wohl aus Holland kommen? Spaß.

Da Hishams Auto gestern durch unglückliche Umstände ausfiel, hat er uns spontan einen Freund organisiert, der uns durch die Stadt fährt. In Deutschland undenkbar: „Hey Jani, lass Mal deine Arbeit liegen und fahr paar Ausländer nach Baden-Baden.“ – „Bitte was?“

Das Essen wurde in einer Tajine zubereitet (besagter traditioneller Kochtopf). Unser scheint nicht viel kleiner zu sein, als der auf dem Platz.

Diätportion

Unverständlicherweise bleibt mehr als die Hälfte übrig. Dabei waren wir doch zu 6? Es gab übrigens Cous Cous mit Hühnchen und verschiedenes Gemüse. Ein Traum. Meine Cous Cous-Skepsis ist dahin. Vorerst.

Wir sahen wohl trotz dicker Bäuche noch hungrig aus. Zum Nachtisch gab es unglaublich süße Wassermelone. Kann man von zu viel Essen eigentlich explodieren?

Der gleiche Freund von Hicham holt uns wie selbstverständlich wieder ab. Er ist Lehrer und muss gerade Abitur korrigieren. Wir sind wohl wichtiger.

Leider geht allgemein jeder dem wir begegnen davon aus, dass ich fließend Französisch spreche. Ein Wasserfall aus französischen Wörtern ergießt sich über mich, bevor ich „Je ne parle pas francais“ stammeln kann. Verständnisvoll werde ich auf Englisch begrüßt. Merci.

Um 4 Uhr geht es ein letztes Mal auf den Basar. Nach der gröbsten Mittagshitze macht dieser wieder auf. Vielleicht finden wir ja ein schönes Kopftuch?

Update 8: Wieder daheim!

Gestern Nachmittag wurden wir von Hisham mit dem Auto abgeholt. Es läuft wieder! Klingt jetzt allerdings so, als hätte es bei der Gelegenheit einen Sportauspuff bekommen. Brumm.

Alle Vereinsfunktionäre die ich treffe, haben größten Respekt vor mir. In Marokko muss man sich jahrelang bewähren, um ein hohes Amt in einem Verein zu bekommen und dementsprechend muss ich als junger Typ wohl besonders gut sein, um so jung schon 3. Vorsitzender zu sein.

Wir werden bei der „asociation sportif de gymnast de safi“ empfangen, ein weiterer Turnverein in der Stadt. Der Verein hat von unserem Besuch erfahren und will uns unbedingt zu sich einladen.

An dieser Stelle wird mein ansonsten humorvoller Blog etwas emotional: Wir werden empfangen wie die Könige. Kinder begrüßen uns voller Freude, Eltern wollen unsere Hände schütteln und der Verein ist überglücklich, dass wir als Deutsche Sie besuchen!

Ein toller Empfang
Vorturnen, extra für uns

Im Nachhinein erfahren wir, dass das kleinste Mädchen (Bildmitte) Fieber hatte aber unbedingt Mitturnen wollte, um die Deutschen zu treffen.

Nach dem Turnen werden wir mit Gastgeschenken überhäuft. Es gibt eine wundervolle Vase aus Safi (für jeden!), frischen Fruchtsaft, uns werden drei Arten von Gebäck angeboten und jeder will ein Foto mit uns machen. So viel Gastfreundschaft ist mir etwas unangenehm und macht mich emotional fertig.

Der Trainer der Gruppe ist afrikanischer Meister im Turnen (2. von links kniend, mit Bart)

Es tut mir wahnsinnig leid, dass wir so plötzlich weg müssen. Man warten schon beim nächsten Termin auf uns.

Nächster Stop: Die Jugendmusikschule von Safi. Es wird gerade für das Konzert am Samstag Abend geprobt. Erinnert ihr euch an die Eintrittskarte, die wir geschenkt bekommen haben? Diese Musiker sitzen plötzlich vor uns.

Fabius Constable, der von der Eintrittskarte

Nachdem wir erzählen, dass wir heute Nacht wieder abreisen und morgen leider nicht da sein können, wird spontan ein Konzert für uns gegeben. Man muss sich das vorstellen: Wir sitzen zu Viert vor einer Gruppe Musiker, die nur für uns spielt. Ich bin mit der Gesamtsituation etwas überfordert.

Die jungen Musiker
Der Vorsitzende der Musikschule im Gespräch mit Carlo

Zum Abendessen sind wir eingeladen (Überraschung). Diesmal wieder von Hicham und seiner Familie. Es gibt eine grandiose „Soupe Maroccaine“ mit Datteln und anschließend Fleischspieße.

Ein Festmahl

Es schmeckt wirklich sehr gut und ich übertreibe etwas. Auf dem Heimweg fühle ich mich wie das „Vorher“-Bild in der Fitnessstudio-Werbung. Puh.

Die Nacht ist kurz. Um 2 Uhr holt uns unser Taxi am Hotel ab und fährt uns Richtung Marrakesch. Zuerst werden wir von der Klimaanlage eingefroren. Auf Nachfrage beim Fahrer aktiviert dieser den Kochen-Modus (Heizung voll aufgedreht). Klatschnass kommen wir gegen 4 Uhr am Flughafen an.

Um 6:45 Uhr geht unser Flieger. Praktisch, dass es am Flughafen einen Duty-Free-Bereich gibt. Ella findet spontan Naturprodukte für nur 50€. Ein Schnäppchen.

Blick aus dem Flugzeugfenster

Gegen Mittag sind wir wieder daheim. Ich verschlafe den restlichen Tag, weshalb das letzte Update so spät kommt. Entschuldigung.

Zeit für ein Fazit: Ich bin mehrere tausend Kilometer gereist und haben unglaublich nette, freundliche und hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Wir waren überall stets willkommen, kein Vergleich zu Deutschland. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Sicherheitsbedenken, im Gegenteil, es herrscht überall eine freundliche und fröhliche Stimmung. Insgesamt hat mich die Reise rund 200€ für Flug und Hotel gekostet, ansonsten wurden wir immer eingeladen, was mir fast etwas unangenehm war. Ich würde den Trip jederzeit wieder machen und kann das Land jedem nur empfehlen.

Hier kommt der passende Werbeblock: In den Herbstferien werden wir Safi mit Trainer/innen, Gymnastinnen, Turnerinnen und Turnern besuchen. Einen Infoabend dazu wird es im Juli geben, hier werden die Detail bekannt gegeben. Wer jetzt schon weiß, dass er mitreißen möchte, kann sich gerne bei Ella oder mir melden.

Danke!

Vielen Dank an Ella, Julita und Carlo, die diese Reise mit mir gemacht haben. Ich als weltoffener und reisefreudiger Mensch wäre nie auf die Idee gekommen, Marokko zu besuchen. Da hätte ich echt was verpasst!

Danke natürlich an die freundlichen und hilfsbereiten Marokkaner, die ich kennenlernen durfte, allen voran Hisham und Abdulatif. Ihr seid klasse!

Am Schluss ein Dankeschön an alle, die das hier verfolgt haben. Mein Programm zeigt an, dass etwa 80 Menschen regelmäßig die Seite lesen. Ich kenne nicht Mal 80 Menschen. Unglaublich.

Mich interessiert natürlich, ob euch dieser Blog gefallen hat. Sprecht mich gerne persönlich darauf an, wenn ihr das hier verfolgt habt. Ich freue mich darauf.

20 Kilo schwerer und super glücklich: Ella, Carlo und Ich

Merci beaucoup et au revoir.